Wuitz3- Ein Gespräch mit Marcel Himmel
Mitten in der Provinz einen Club aufzumachen verdient allein
schon gehörigen Respekt. Das Programm dann auch noch auf
einem konstant hohen Niveau zu halten umso mehr. Ein Ort, an
dem dieser Balanceakt zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit
und persönlichem Anspruch Monat für Monat aufs Neue erfolgreich
vollzogen wird, ist das Wuitz3 in Mumsdorf nahe Zeitz.
Marcel Himmel ist der Kopf der Truppe, die hinter diesem Projekt
steht und auf den klangvollen Namen „Akustische Konsumhilfe
e.V.“ hört.Das verflixte erste Jahr hat der sympathische
Laden bereits überstanden und mit interessanten
Plänen lässt auch das Zweite so einiges erhoffen. Steffen
Bennemann knöpfte sich also Marcel vor, um etwas mehr
über dieses außergewöhnliche Projekt zu erfahren…
Am Anfang steht natürlich immer die Frage: Wie kam es dazu? Was
bewegt Menschen wie du und ich dazu, ihre gesamte Freizeit und
natürlich auch erhebliche finanzielle Mittel zu opfern, um anderen einen
Mehrwert im Nachtleben zu bieten?
Marcel Himmel dazu: „Der Verein
Akustische Konsumhilfe e.V. wurde im
Herbst 2001 eingetragen. Es waren Leute
aus der Zeitzer Umgebung, die gemeinsam
Parties machen wollten. Dafür war jedoch
eine Menge Arbeit nötig und so schlief das
Projekt zunächst erst einmal wieder ein. Im November
2002 kam ich dann dazu. Ich wurde schnell
zum stellvertretenden Vorsitzenden berufen und kurz darauf begaben wir uns auf die Suche nach einer geeigneten Location.“ Tatkräftige Unterstützung erhielt man dabei vom Wirtschaftsförderverband
Zeitz. Aber leider zeigten die Behörden der Stadt Zeitz von vornherein
null Kooperationsbereitschaft.
So kam man nach Rehmsdorf, einer benachbarten
Gemeinde. Bald war eine potentielle Location ausgemacht und auch der Bürgermeister hatte hier von Anfang an ein offenes Ohr für die Pläne des Vereins. Da das auserwählte Gebäude jedoch mitten im Dorf lag, schlug das Gemeindeoberhaupt ein anderes Objekt vor: Fassungsvermögen für 200 bis 300 Mann, außerhalb der Ortschaft und reichlich abgelegen. Im Februar 2003 war Besichtigungstermin, drei Monate später die Schlüsselübergabe. Sofort legte sich die Truppe ins Zeug um den Umbau bis zur ersten geplanten Party im September fertig stellen zu können. Bürgermeister Meißner unterstützte das Projekt
dabei nach besten Kräften. Und siehe da: Zwar wurde bis zur letzten Minute gehämmert und geklopft, aber am 13.09.03 öffnete das Wuitz3 wie versprochen erstmals seine Türen.
Marcel: „Diese erste Party war finanziell kein so großer Erfolg wie erhofft.
Daher haben wir im Oktober erst einmal ausgesetzt, um noch
etwas umzubauen. Im November versuchten wir es dann noch einmal,
soundmäßig etwas anders orientiert. Und es funktionierte glücklicherweise.“
Von da an ist man Schritt für Schritt vorwärts gekommen.
Heute kann Marcel dafür stolz von seiner Mannschaft behaupten: „Wir sind ein gutes Team, ergänzen einander. Es tut sich von Monat zu Monat etwas,
auch wenn es manchmal nur Kleinigkeiten sind. Aber die Räume werden
immer gemütlicher. Ich denke, man kann sagen, bei uns haben die
Leute aus der Region im Laufe des letzten Jahres erst richtig das Feiern
gelernt.“ Und langsam wächst auch die Zahl der überregionalen Gäste
- wie der Besucherstrom aus allen Richtungen zur Oktober-
Sause mit den Wighnomy Brothers zeigte. Wobei diese
Ausweitung des Einzugsgebietes auch ein zentrales Orientierungsziel
der Zukunft darstellt: „Wir wollen unseren Club
stärker im mitteldeutschen Raum etablieren, als feste Größe
für elektronische Musik.“
Derzeit zählt der Verein „Akustische Konsumhilfe“ offiziell elf Mitglieder
und etwa ebenso viele Helfer und Freunde. „Ohne diese wäre Wuitz3
nicht möglich“, weiß Marcel. „Wir haben alle auch sehr viel persönlich
eingebracht - bis heute verdienen unsere Barleute und Residents absolut nichts
hieran. Alles bei uns ist self-made, von der Einrichtung über die Deko bis zur Website.
Ohne Enthusiasmus wäre das gar nicht möglich.“ Alle gemeinsam arbeiten
sie an ihrem Ziel, jungen Menschen in der Region im Bereich der elektronischen
Musik etwas zu bieten: „Wir wollen einfach die Musik, die wir alle lieben, in der
Region etablieren. Der finanzielle Aspekt war uns dabei nie wichtig - wir machen das
alle nur aus Liebe zur Musik.“
Schon seit frühester Jugend beschäftigt sich Marcel mit elektronischer Musik, im Alter von 16 Jahren träumte er davon, etwas Eigenes zu machen. Gemeinsam mit anderen hat er nun diesen Kindheitstraum vom eigenen Club verwirklicht. Musikalisch sind die Veranstaltungen nicht festgefahren, sondern Ziel ist vielmehr ein abwechslungsreiches Programm, wobei niemals auf Qualität verzichtet wird. „Wir wollen mit unseren geringen finanziellen Mitteln das Bestmögliche
daraus machen. Jeder Cent, den uns die Besucher geben, fließt in den Club zurück.“
Schön, dass es so etwas noch gibt!!
Text: Steffen Bennemann
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