Mr. Background Rec. aus Düsseldorf stellt einen der wichtigen Eckpfeiler der
deutschen Technobewegung. Sein Imprint verbindet imposante Welten – Düsseldorf,
Detroit, San Francisco, Montreal, London, Süd-Afrika … . Einige der
einfl ussreichsten Künstler der Szene, darunter Sutekh, Jan Jelinek, Todd Sines,
Terrence Dixon, Algorithm/Jeff Milligan, Akufen, Submania, Dean DeCosta,
Rhythm Maker, Kit Clayton, Deadbeat, Baby Ford und Stewart Walker releasten
einige ihrer wichtigsten Werke auf Background. Damit ist Background eine
treibende und bestimmende Kraft im minimal Techno Bizz. Seine Sub-Labels
Soundvariation (experimentell-minimal) und a Touch of Class / aTC (deep-house)
bilden dabei die logische Fortsetzung bzw. Erweiterung im Kontext der sich
beständig verändernden und weiterentwickelnden Musik. Nach „LIVE in Tokyo“
kommt nun die zweite „LIVE in Detroit“. Ein kompletter Live-Mitschnitt aus
dem Club Oslo in Detroit von …-2005 des Labelchefs. Ein energetischer
Mix minimal Techno voll mit neuem Stuff arrangiert unter Einfl uss der
Stimmung des Publikums. Hintergründe zu Andy, seiner Performance
und seinem Label-Betrieb möchten wir in unserem
kleinen Interview ein wenig zu beleuchten.
Mit welchem Hardware-/Softwareeinsatz arbeitest du bei deinen Live-Auftritten? Gibt es für
dich ein Status-Quo Tool (Ableton, Reason…um mal gängige Software ins Spiel zu bringen,
A Guy Called Gerald z.B. verwendet Reason 3.0)?
Ich benutze Ableton Live bei meinen Auftritten.
Kurz eine Frage zu Sound - Crowd Verhältnis während eines Live-Sets.
Gehst du mit einem straighten Plan in’s Rennen oder bis du zu weiten Teilen der Audience
offen gegenüber und versuchst dabei auf die Stimmungsbedürfnisse einzugehen?
Bei den meisten „laptop-auftritten“ kann man ersteres das beobachten…Anders herum kann
man auch beobachten, dass es gerade das Publikum ist, die eine bestimmte Performance bei
einem Live-Set erwarten…Wie ist da deine Philosophie oder Erfahrung?
Bei den jeweiligen Livesets kommt es zum einem natürlich immer auf den
Rahmen an. Ich habe vereinfacht gesehen, erstmal zwei sets, an denen
Ständig gearbeitet und ergänzt wird. Es gibt einmal ein Listening-Set,
sowie das Clubset. Diese unterscheiden sich natürlich naturgemäss
voneinander. Natürlich ist das Clubset weitaus straighter and wandelbarer.
Das set ist bewusst so aufgebaut das ich grosse eingriffsmöglichkeiten habe
und mich gezielt einer Stimmung innerhalb der reelen clubsituation anpassen
zu können, waehrend ein listening konzert viel mehr vorprogrammiert ist und
eher songorientierter aufgebaut ist. Meine Clublivesets beinhalten sehr
viel Musik unterschiedlicher coleur, über zwei stunden musik, die man im
rahmen eines sets entsprechend frei varieren kann. Ich bereite mich i.D
regel auf jeden Gig entsprechend vor und stelle immer sachen um oder nehme
neue sachen ins set auf, sodass dieses eigentlich immer wandelbar bleibt.
Dein Sound, speziell auf deinen eigenen Labels (BG & SV), kann man ja nun nicht gerade als
leicht zugänglich bzw. als Massenkompatibel bezeichnen. Das merkt man bereits daran, dass
man nicht gerade viele Leute findet, die spontan in Redefluss verfallen wenn man das Thema anstiftet. Wie bringst du das Publikum dazu sich auf deine Musik einzulassen? Oder ist es eher so, dass du meist bereits mit interessiertem Publikum arbeiten kannst?
sowohl als auch, es gibt sowohl gigs wo die leute sehr gezielt kommen und
eine ganz genau vorstellung von dem erwarteten Sound haben, als auch eher
unbedarfte begegnungen mit einem Club-Publikum. Beide situationen sind
erstmal eine herausforderung. Grundsätzlich ist ja das Konzept von Techno
das es die kleinen Dinge, die details sind die erstmal die gewünschte
Wirkung bringen. Grundsätzlich basiert auch mein Clubset erstmal zu grossen
Teilen, wenn auch nicht ausschliesslich, auf meinen SoundVariation
veröffentlichungen. Diese jedoch 1:1 im Club zu spielen, wäre in der Tat
nicht gerade dem rahmen angemessen. Glücklicherweise kann man über die o.g
kleinen Dinge das ganze im handumdrehen in ein Clubtaugliches Set
verwandeln. Ein SoundVariation Stück, mit neuer Kickdrum und zusätzlichen
Percussionsounds unterlegt rückt mit ganz einfachen Mittel in einen
tanzbaren technokontext. Man darf einfach nicht vergessen das Techno und
House auf ganz einfachen Mitteln basiert, die Musik sehr einfach aufgebaut
und strukturiert ist. Ein Soundvariation stück mit einer anderer Kickdrum
und den richtigen Effekten auf den draufgesetzten Hihats bekommt einen ganz
anderen Twist und Drive als das Ausgangsmaterial, obwohl es musikalisch Von
den ganzen Sounds und allen anderen elementen eigentlich nur marginal
Verändert wurde. Das ist auch das tolle an Techno, eine Kleinigkeit kann
Einfach die Welt bedeuten. Auch die sehr Loop-basierte Arbeitsweise mit
Ableton unterstützt diesen Effekt noch zusätzlich, da die eher songartig
arranagierten Soundvariationstücke dann im neuen Livegewand, noch durch die
zerlegung In kurze loops, noch gradliniger und somit tanzbarer wird.
Kommt es vor, dass man Andy Vaz auch mal als DJ zu hören bekommt? Wenn ja, wird es
dann einen Kontrast zum Live-Set geben? (Ich habe mal gelesen, dass du ein Herz für T.
Parrish und die Moodyman Ecke hast.)
Ich dj nicht, und gedenke auch nicht damit anzufangen. Wenn ich dies Jedoch
tun würde, würde ich in der tat am ehesten schwarze housesachen unterhalb
der 120 bpm grenze auflegen.
Background und Soundvariation sind nun deine beiden Babies des Minimal-Techno.
Background als offene Plattform und Soundvariation zur Selbstverwirklichung (bitte
korrigiere mich, wenn ich hier falsch liegen sollte). Wie würdest du mit eigenen Worten
beschreiben, was den Hörer bei den beiden Labels erwartet?
Bei Background ist das ja mit nun fast 50 Veröffentlichungen nicht mehr so
ganz einfach zu beantworten, da sich die Musik und die Technik, sowie die
Artists die auf Background platten gemacht haben, über die sieben Jahre
Meiner labeltätigkeitja sehr gewandelt hat. Angefagen hat background mit
Terrence Dixon ja quasi als deutsches Detroit label, wobei der Fokus Ganz
klar auf einem Minimalismus der radikalsten Form gelegen hat, wobei ganz
Anders als heute oder auch schon recht frueh in der zweiten phase des
labels, die reduktion der spuren und die wiederholung im mittelpunkt
standen. Auch hatte das label gerade am anfang (terrence dixon, submania)
Auch zöge von einem darken rohen sound. Dann gab es ja die erste laptop
Riege im Kit Claytonn & Sutekh und dann kommen ja schon die kanadier Mit
der nächsten Minimal Invasion. Momentan wird der Sound des Labels Ja
deutlich maximaler und songhafter. Z.B Dave Millers Broken Beats
elekronischem Jazz-Album oder Portable´s & Antiguo Automata Mexicanos
Alben, die für background eine neue richtung andeuten, die auch vor
listening veröffentlichungen nicht halt machen und sich somit auch vom
minimal techno 4/4 background sound, wegentwickeln. Grundsätzlich
interessiert mich moderne interessante und charakteristische Musik. Sowohl
Antiguo Automata Mexicano (Mexico), Dave Miller (Australien) oder Portable
(südafrika) haben einen sehr eigenen unverwechselbaren Sound. Das macht Sie
hauptsächlich für background interessant.
Background lebt von vielen Artist, die ein recht internationales Netz verbindet. Wie ist dies
gewachsen? „Bewerben“ die sich bei dir (BG) oder betreibst du eine Art Scouting und
entdeckst neue Künstler für BG?
Da ich das Label bereits seit 1998 betreibe und es nunmehr fast 50 releases
gibt, ist das label bei Leuten die einen ähnlichen musikalischen Ansatz
haben zwangsläufig recht bekannt und ist daher für neue produzenten leicht
ausmachbarr. In der Regel schicken die Acts Demos oder stellen den
erstkontakt selber her. Im Falle von Dave Miller kam der Kontakt
z.B über Jan Jelinek zustande, der mir eine CD von Dave geschickt hatte, da
er dachte das die musik was für Background sein könnte. Auch acts wie
Frivolous oder Warmdesk sind über eingesandte demos zu Background bzw. Atc
gekommen.
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem italienischen label? Wieso das Kürzel „VAZ“- bit?
Gibt es da was, was man wissen sollte? ;o) Live in Tokyo kam doch noch auf Sound-Variation, wenn ich mich nicht irre…
Das label hatte mich ursprünglich eigentlich wegen eines Remixes
kontaktiert. Da ich zu diesem Zeitpunkt einige Dancefloor orientiertere
Tracks hatte die noch nicht veröffentlicht waren, haben wir uns einfach
Gemeinsam dazu entschieden, die ep auf Persistence Records zu machen. Auch
haben Alessandro Vaccaro, der Betreiber des Labels und ich uns dann kurze
Zeit später bei einem mehrtägigen Aufenthalt In seiner Stadt Catania in
Sizilien im Rahmen eines Festivals welches ich Dort (u.an mit Moodyman &
Band) gespielt habe, näher kennen und schätzen gelernt. Wir haben
musikalisch eine gute schnittmenge und verstehen uns sehr Gut. Da ich auf
Soundvariation einen ganz bestimmten Ansatz verfolge, passt Es sehr gut mit
Persistence eine Platform für meine Dancigeren Sachen zu haben.
“...The Place were it all began...” (Auszug aus der Beschreibung auf dem Beipackzettel) nur
bezogen auf die Geschichte des Techno, oder gibt es eine persönliche Erfahrung für dich (in
Detroit)?
Da gibt es viele. Ich war ja seit Mitte der Neunziger sehr oft in Detroit
und kenne die Stadt recht gut. Auch wenn für mich Detroit Techno bis auf
ganz wenige Ausnahmen (Theo Parrish, Moodyman, Anthony Shake Shakir und
wenige andere) natürlich heute schon ein genre für mich ist, welches mich
nicht mehr wirklich interessiert bleibt die Stadt ja für die Musik generell
als auch für Background als label Natürlich auch immer estmal ausgangpunkt
für die ganze technomusik. Das sollte man trotz aller neuen einflüsse und
daraus enstandener subgenres erstmal im hinterkopf behalten. Der Auftritt
in Detroit, auf der die Live Cd basiert, ist erstmal in soweit wichtig, das
sowohl ort, leute uals auch alles drumherum einfach gut zusammen gepasst
haben. Es war genau die richtige Mischung aus dem für meine Musik perfekten
club (sehr dunkel, decke überm kopf, 250 leute kapazität, super suround
sound, tolles publikum bstehend aus aktiven produzenten, djs und
labelbetreibern und einer detroiter crowd, die diese nacht einfach
besonders gemacht haben. Es war einfach eine dieser magischen Nächte bei
denen einfach alles zusammenkommt.
MP3 & Netlabels. Fluch oder Segen? Ist die Wachablösung des Vinyls nun da?
Für mich ist und bleibt das Vinyl die einizige und beste form musik zu
hören. Ich selber höre seit jeher wirklich ausschliesslich nur Musik Auf
Platte. Habe im leben keine einzige CD gekauft und kann mich persönlich mit
Einem komprimierten mp3 file auf meiner festplatte so ganz und gar nicht
Anfreunden. Das hat so was von Mikrowellen Kultur, die für mich als
Musikliebhaber einfach keinen sinn macht. Es gibt nichts besseres als eine
Platte in der hand zu haben, ein psysikalisches produkt welches man mit den
fingern fühlen kann, mit cover und der Möglichkeit die nadel in den groove
zu halten. Auch sonst finde ich die Vorstellung, das man hunderte von euros
und zeit investiert um erstmal ein Stück klanglich so gut wie möglich zu
produzieren, dieses dann für viel geld Proffesionel mastern und laut
schneiden lässt, tolle künstlerische vollcover Designt und den druck
bezahlt, um sich dann später als 192 kbit komprimiertes mp3 file wieder im
netz und auf der festplatte des konsumenten Wieder findet. Natürlich kann
und will ich mich diesem trend mp3s auch zum Kauf anzubieten nicht
wiedersetzen, da man natürlich nicht das illegale filesharing verteufeln
kann, ohne gleichzeitig eine legale kaufoption Anzubieten. Natürlich sind
wir auch in Zeiten wo die vinylverkäufe rückläufig sind auf legale
downloads angewiesen. Ich bin jedoch nach wie vor Der Meinung das Vinyl die
beste möglichkeit ist elektronische musik zu hören Und würde das label dann
letztendlich einstellen, wenn dieses irgenwann durch ein rein digitales
format abgelöst wird. Dieses sehe ich aber trotz gewisser trends und
bewegungen in diesem sektor erstmal nicht so schnell auf uns zukommen. Das
wird zwar im mainstream bereich schon sehr schnell der fall sein, aber
Techno und house waren ja schon seit jeher immer ihren eigenen gesetzen
gefolgt. Schliesslich ist und bleibt es ja auch grösstenteils, wenn auch
natürlich Nicht ausschliesslich auch dj musik, die auch in sofern schon
einer anderen handhabung unterliegt als das im mainstream musikbereich der
fall ist. Das die Kids von heute nur noch mit dem mp3 player unterwegs
sind, ist klar, hat aber mit der elektronischen musik szene erstmal nichts
zu tun.
Wie kommt es eigentlich, dass, wenn ich hier in unseren breiten diverse DJs mit deinem
Namen konfrontiere, meist auf Schulterzucken stoße? Für Insider und Liebhaber bist du
jedoch einer der ganz Großen im Bizz. Gibt es eine Abneigung für Öffentlichkeitswirksame
Auftritte deinerseits (folgst du auch der Auffassung Oscar Wildes „Popularität setzt immer
Mittelmäßigkeit voraus!“)?
Ha, gute frage. Was die djs vorort angeht kann ich nicht viel dazusagen,
ausser das ich ja auch nie im Osten spiele. In sofern ist die reaktion der
befragten natürlich auch eine logische konsequenz daraus. Zumal ist es ja
grundsätzlich eh so, dass ich deutlich häufiger und regelmässiger
international als national spiele. Das hat wohl eher damit zutun das die
alte gleichung das soweiter man reist, so mehr man auch geschätzt wird,
wohl eher Zutreffend scheint als die gleichung zwischen popularität und
mittelmässigkeit.
Was macht eigentlich A Touch of Class?
(Ich selbst bin damals über die ersten Repeat Orchestra Releases beim genaueren lesen der
Cover auf Background gestoßen.)
Im letzten Jahr war es um A touch of Class erstmal recht still geworden,
der Fokus hat sich sehr deutlich auf Background und die veröffentlichung
von Artistalbum auf Background verlagert. Bis zur Background 050, die in
kürze Ansteht, wird das auch erstmal so bleiben. Danach werde ich mich
jedoch wieder viel gezielter auf ATC konzentrieren,mit einem konkreten
plan, der Einen regelmässige releasepolitik miteinbezieht. Ausserdem steht
dann ja Auch im Januar das Debut Album von Paul Hammond (further details)
an. Auch Warmdesk aus Chicago und Labelstammact: Repeat Orchestra haben
gerade jeweils eine neue Maxi eingespielt die dann dieses Jahr noch
erscheinen werden.